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Am Anfang war es nur ein Weg…

„Es ist aus. Aus und vorbei. Das war er, der letzte Schritt. „Arena di Verona“ steht auf dem Schild, die Torbögen des römischen Amphitheaters werfen Schatten in der Nachmittagssonne. Italienischer Singsang schwebt durch die Luft, Kinder mit Eiswaffeln in der Hand tollen umher, Frauen in wehenden Sommerkleidern eilen in Highheels, die auf dem Pflaster kleckern, über den Platz. Meine Füße stecken in schweren Bergschuhen, von denen unter der Dreckschicht zu erahnen ist, dass sie mal rot waren. Di eBeine sind braun, die Haare zerzaust. Auf meinem Rücken ein vollgepackter Rucksack, der in den letzten Woche ein Teil von mir geworden ist. Ich stehe wie angewurzelt. Die Synapsen im Gehirn versuchen, all die Eindrücke aufzunehmen, ordentlich einzusortieren. Und schien zu scheitern…

E5019Ich atme tief durch, lasse mich wie von einer Woche einschließen und die Geräusche dumpf abprallen. Wie ein Alien stehe ich auf dem Platz in Verona und erst ganz langsam kommt der Kopf an. „Ich habe es geschafft. Ich brauche nicht mehr weitergehen.“ 20.000 Höhenmeter und 600 Kilometer liegen hinter mir. Durch vier Länder bin ich gewandert, auf Pässe und durch Täler. Auf Wanderwegen, Pfaden, Straßen. Die Sonne Italiens hat mir den Nacken verbrannt, an der Nagelfluhkette im Allgäu bin ich mit Kühen vor einem Gewitter geflüchtet, auf der Memminger Hütte wurde ich eingeschneit und musste am nächsten Morgen Markierungen im Neuschnee suchen, in Oberrhein haben mich Wildfremde zur einzigen geöffneten Pension kutschiert, im Fersenteil wurde ein Schäferhund zu meinem treuen Begleiter. Ich habe gigantisch große Blasen versorgt, bin weitergelaufen, obwohl ich nicht mehr konnte, habe erfahren, dass ein „Ist nicht mehr weit“ manchmal nur gut gemeint ist, habe alte Denkmuster abgelegt und neue Freunde gefunden. Und jetzt? Ist es plötzlich einfach so vorbei.
Das dachte ich zumindest damals, an diesem warmen Spätsommertag vor vielen Jahren in Verona, nachdem ich die Alpen vom Bodensee aus überquert hatte. Dabei i war gar nichts vorbei, es ging damit erst richtig los. Denn die Wochen auf diesem E5 haben vieles ins Rollen gebracht…“

E5061Aus: „Traum und Abenteuer: Der E5. Begegnungen und Grenzerfahrungen auf der Alpenüberquerung zwischen Oberstdorf und Meran.“

So beginnt das Buch, das ich gemeinsam mit dem Fotografen Christoph Jorda gemacht habe, über den E5. Dieser Europäische Fernwanderweg Nummer 5, der vom Bodensee nach Verona führt, ist ein besonderer Weg für mich geworden. Vor über 10 Jahren bin ich ihn in Gänze gelaufen, habe danach mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt, Hamburg den Rücken gekehrt, die Ausbildung zur Bergwanderführerin gemacht, bin an den Alpenrand gezogen und von da an immer wieder – mit Gästen, die ich über die Alpen führe – und privat auf den E5 zurückgekehrt. Da wurde es Zeit, dem Transalp-Klassiker eine Hommage zu widmen. Das Buch erzählt Geschichten vom Weg, stellt Älpler, Hüttenwirte, Bergführer und Bergretter vor, die am und vom E5 leben.

Bestellen kannst Du das Buch bei Deiner Buchhandlung vor Ort, oder hier im Internet. Lass mich gerne wissen, wie es Dir gefallen hat. Zeigt es den Weg mit all seinen schönen Facetten, aber auch mit den dramatischen Seiten? Ich freue mich auf Dein Feedback. E5085